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Kapverdische
Inseln
Dengue-Fieber
in Kap Verde
Dr. Pitt Reitmaier
Tropenarzt
Autor des Reisehandbuchs
Cabo Verde - Kapverdische Inseln
im Verlag Reise Know How
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Erneuter
Ausbruch des Denguefieber soll
auf den
Kapverden verhindert werden.
Seit September
2009 war
auf den Kapverdischen Inseln, beginnend
auf der südlichen Inselgruppe des
Sotavento (Santiago, Maio, Fogo, Brava)
ein
Krankheitsausbruch zu beobachten, als
dessen Ursache am 22. Oktober 2009
das Dengue-virus
Serotyp-3 nachgewiesen
wurde (Institut Pasteur - Dakar - Senegal).
Dies war der ersten Ausbruch
des Dengue-Fiebers in der Geschichte
Kap Verdes.
2010 wurde bereits vor Beginn der Regenzeit
das Präventionsprogramm
intensiviert, um
einen erneuten Ausbruch zu verhindern.
Verbreitung
weltweit |
Dengue in Cabo Verde |
Die Verbreitung
von Dengue in tropischen
und subtropischen Regionen (in über
100 Ländern mit gut 2.5 Milliarden
Einwohnern) zeigt einen dramatischen
Anstieg in den letzten Jahrzehnten,
insbesondere in den Schwellenländern
mit ihren rasch wachsenden Grossstädten
bei gleichzeitig enorm wachsendem
Flugverkehr.
Die Weltgesundheitsorganisation
schätzt die Zahl der Erkrankungen
weltweit auf 890 000 mit
etwa 26 000 Fällen von hämorrhagischem
Dengue Fieber.
In Europa gilt
Dengue als eine der häufigsten
von Reisenden während eines
Tropen / Suptropenaufenthaltes
erworbenen Virus-Erkrankungen.
Auf den
Strand-Inseln Sal und Boa
Vista
hat
zu keinem Zeitpunkt eine
Epidemie geherrscht !
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Die
Regierung Kap Verdes hat ein Kontrollprogramm
zur Moskitobekämpfung dauerhaft
eingerichtet, das
- flächendeckend mögliche
Moskitobrutplätze überwacht
und ggf. behandelt
- beim Auftreten von adulten
Moskitos diese bekämpft
- gezielt die Wohnumgebung
von Neuerkrankten kontrolliert
und ggf. Moskitobrutplätze
und adulte Moskitos beseitigt.
Quellen:
Radiomitteilungen des Gesundheitsministeriums Kap Verdes
www.asemana.publ.cv
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Fallzahlen
2009
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20
914
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Verdachtsfälle |
174
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Fälle
hämorrhagisches Dengue-Fieber |
6
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Todesfälle |
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Nachdem am 22. Oktober die Präsenz
des Dengue-Virus bekannt war und
entsprechende Registrierung der
Fälle und Kontrollmassnahmen ergriffen
wurden, erreichte die Epidemie
ihren Höhepunkt am 04 11 2009
mit über 1000 neuen Verdachtsfällen
pro Tag. Dies war zugleich der
Tag, an dem das letzte der 6 Todesopfer
zu beklagen war.
Inzwischen ist die Zahl
der neuen Verdachtsfälle auf Werte zwischen
unter
30 / Tag gefallen, so dass
sich folgern lässt,
dass die Epidemie unter Kontrolle
ist.
Die räumliche Ausbreitung der
Fälle
konzentriere sich auf die südlichen
Inseln Santiago, Fogo und Maio,
wobei das hauptstädtische Concelho
(Landkreis) Praia auf Santiago
die höchste
Zahl der Fälle auswies. Das wesentlich
bevölkerungschwächere Concelho
São Filipe
auf Fogo wies hingegen
die höchste
Inzidenz (Zahl der
Neuerkrankungen / 1000 Einwohner)
auf.
Von Brava und
den nördlichen
Inseln Sal, Boa
Vista und São
Nicolau wurden
wenige importierte und nur
einzelne autochthone
Fälle
(durch Übertragung auf der
Insel selbst) mitgeteilt.
São
Vicente und Santo Antão blieben
frei von autochthonen Fällen.
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Übertragung
durch Stechmücken
Die
Übertragung erfolgt
durch Aedes
aegypti, eine 4 mm grosse Stechmücke
aus der Familie der Culicidae, die in tropischen
und subtropischen Regionen weit verbreitet
und auch in Kap Verde seit Jahrhunderten
auf beiden Inselgruppen nachgewiesen ist.
Die Moskitos sind vorwiegend tag- und
geringer nachtaktiv und stechen mit besonderer
Vorliebe in den frühen Abendstunden.
Mückenbrutplätze
In Kap Verde, einem Land
mit langen Trockenzeiten, entstehen natürliche
Brutplätze in grösserer
Zahl nur nach ergiebigen Regenfällen,
während
die von der Natur
geschaffenen stehenden Süsswasserflächen bis
auf wenige Ausnahmen austrocknen, bzw.
bekannt und vergleichsweise gut zu kontrollieren
sind.
Aedes
aegypti genügen auch kleinste
stehende Süsswasseransammlungen
zur erfolgreichen Eiablage und Larven-entwicklung
bis hin
zur Puppe. Von der Eiablage
bis zum Schlüpfen der nächsten
Stechmückengeneration
vergehen unter optimalen, tropisch warmen
Verhältnissen 12 Tage; In kühleren
Regionen dehnt sich der Zyklus
auf mehrere Monate aus.
In den von
Dengue-Epidemien besonders intensiv betroffenen
Ländern Lateinamerikas (Brasilien,
Kuba, Bolivien) hat sich gezeigt, dass
die Modernisierung
der Gesellschaft eine Unzahl kleinster
Mückenbrutplätze schafft
und auch
unabhängig
von den Niederschlägen unterhält
durch:
- Vermüllung
der marginalen Vorstädte mit
nur langsam verrottenden
Plastikflaschen,
Dosen, Reifen uam
- Blumenvasen,
Blumenkübel, täglich
beregnete Grünflächen,
Toilettenspülkästen
in nicht benutzten Apartments, dauerhafte
Wasseransammlungen durch Klimaanlagen
etc. betreffen eher die besseren Stadtviertel
und Tourismusanlagen
- häusliche
Wasservorratshaltung in nicht
abgedichteten
Wasserfässern und -tanks
- Betonbauweise,
die dazu führt, über Monate
Wasser
auf Baustellen zu sammeln, zumeist in
nicht abgedeckten ehemaligen Ölfässern
Krankheitssymptome und
Krankheitsverlauf
Leichter,
monosymptomatischer Verlauf
Die ersten Symptome der
Erkrankung treten 2
bis 12 Tage nach dem Stich auf.
In 90% der Fälle ähneln die Beschwerden denen eines grippalen infektes
mit hohem Fieber bis 41°C.
Schwerer
Verlauf mit zwei Fiebergipfeln
Bei schweren
Verlaufsformen wir
der erste Fieberanstieg von Schüttelfrösten,
schwerem Krankheitsgefühl, heftigen
Kopf- Glieder- und Gelenkschmerzen
und mit für die Körpertemperatur
ungewöhnlich langsamer Pulsfrequenz
(relative Bradycardie) begleitet.
4-5 Tage nach dem ersten folgt ein erneuter
Fieberanstieg mit Hautausschlag (ähnlich einem
Masernausschlag) und Lymphknotenschwellungen.
Hämorrhagisches
Dengue Fieber
Die schwerste, lebensbedrohlich Verlaufsform ist
das hämorrhagische Dengue-Fieber DHF mit
punktförmigen (petechialen) Hautblutungen und diffusen Organblutungen,
schwersten Krankheitszeichen und Schock. Es tritt bei Menschen auf, die durch
eine Vorinfektion mit einem anderen Dengue-Virustyp bereits Antikörper
gebildet hatten. |
Was
tun, wenn man erkrankt ?
und
mindesten
zweien der folgenden Symptome:
- Kopfschmerzen
- Schmerzen
hinter den Augäpfeln
- starken Glieder-
oder Gelenkschmerzen
- Bauchschmerzen
- Erbrechen
- Schwindel
- juckendem Hautausschlag
1. Kein
Aspirin, AAS, Ibuprofen o.ä.m.
2. Unverzüglich den
nächsten medizinischen Notfalldienst
(Banco de Urgência - Centro de Saúde) aufsuchen. |
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Behandlung
Eine gezielt gegen das Virus
wirkende, kausale Therapie
ist nicht bekannt.
Somit
beschränkt sich
die Behandlung auf
die Bekämpfung
und Linderung der Symptome.
Acetylsalicylsäure
(Aspirin u.a.m.) ist nicht
geeignet wegen seiner gerinnungshemmenden
Eigenschaften. Zur Fiebersenkung
und Symptomlinderung wird Paracetamol (us-engl.: Acetaminophen)
verwendet..
Bei schweren Verlaufsformen ist die frühzeitig
einsetzende ärztliche und ggf. stationäre
Betreuung von grosser Bedeutung.
Immunität und Impfung
Eine Impfung ist
nicht bekannt. Die Erkrankung
hinterlässt dauerhafte Immunität gegen
den betreffenden Dengue-Virus-Serotyp ohne
Kreuzimmunität gegen die anderen Dengue-Serotypen.
Die wichtigsten
Massnahmen
In
der Gemeinde
ist die Bekämpfung
der Mücken durch Sanierung der
im öffentlichen Raum verteilten
Brutplätze
Voraussetzung
für die Kontrolle eines Ausbruchs.
Dies ist nur über intensive Aufklärungs- und gemeindebasierte Kampagnen zu
erreichen.
Im
Haushalt, im Betrieb und im Hotelzimmer
finden sich nicht selten
Mückenbrutplätze, die durch öffentliche
Maßnahmen weder entdeckt noch beseitigt werden
können. Wenn Mücken im Haus erscheinen,
lohnt es, Brutplätze
im und am Haus zu suchen
und zu beseitigen.
Hinzu kommen Maßnahmen,
um Mücken am Eintritt
ins Haus und ihr Überleben im Haus zu verhindern:
- Mückengitter an den
Fenstern, Fliegensperren an den Türen
- Mückenabschreckende
Kerzen, Spiralen, Hauspflanzen
etc.
- Insektizidspays .. unter Einhaltung
der Sicherheitsvorgaben
Nach dem Abklingen
einer Dengue- Epidemie
bleiben Kontrollmassnahmen
unverändert wichtig, denn:
- Die Moskitodichte
von Aedes aegyptii lässt
in der Trockenzeit nach und wird
durch Bekämpfungsmassnahmen
wirkungsvoll vermindert, doch es
bleibt eine Restpopulation, die sich
mit der nächsten Regenzeit rasch
vergrössern kann.
- Bei den Erkrankten bleibt zwar eine lebenslange
Immunität gegen den verursachehnden
Serotyp des Dengue-Virus.
Sollten sie in weiteres Mal von einer
infizierten Mücke gestochen
werden, erkranken sie nicht wieder
und gegen das Virus auch nicht weiter
an nicht-infizierte Mücken.
Ist der Anteil der Immunen in der
menschlichen Bevölkerung sehr
hoch, kann sich keine neue Epidemie
ausbreiten. Man spricht von Herdenimmunität.
- Die lokale
Herdenimmunität wird sich rasch
vermindern, nicht nur durch
die hinzukommenden Neugeborenen und
die Abwandernden und Todesfälle,
sonder auch durch interne Migration,
insbesondere in einer Situation,
in der glücklicherweise nur
drei der neun bewohnten Inseln hohe
Falldichten erreicht hatten.
- Gegenüber
den anderen Dengue-Serotypen,
im Falle Kap Verdes die Typen 1,2
und 4, ist keine
Immunität gegeben,
so dass unter ähnlichen Bedingungen
wie in der ersten Epidemie sich ein
weiterer eingeschleppter Dengue-Serotyp
genauso rasch ausbreiten kann
- Die schweren
Verlaufsformen sind in Bevölkerungen,
die bereits eine Dengue-Infektion
durchlaufen haben, bei Erkrankung
mit einem anderen Serotypen wesentlich
häufiger.
Als Individuum und in der Familie
lassen sich Stiche vermeiden
durch:
- lange helle
Hosen mit hellen Socken,
besonders in den Abendstunden
- mückenabweisende Mittel = Repellentien (z.B. Autan®) auf die Haut auftragen
- ein dichtes Moskitonetz über
dem Bett
im
Falle hochfieberhaften Erkrankung ist
angeraten:
- einen Arzt
hinzuzuziehen - zuständig ist
das nächste Centro de Saúde
- zur Fiebersenkung und Schmerzlinderung
keine Acetylsalicylsäure
(Aspirin u.a.m.) ein zu nehmen sondern
Paracetamol (individuelle
Gegenanzeigen beachten).
- reichlich zu
trinken. Bei Fieber in sommerlichen
Temperaturen verliert der Körper sehr viel
Wasser.
In
Vorbereitung einer Reise
- aktuelle Informationen zusammentragen
und zur Kenntnis nehmen
- im Falle von
Vorerkrankungen den
Rat des Hausarztes oder des behandelnden
Facharztes einholen
- geeignete Garderobe,
lange helle Hosen, helle Socken mitnehmen
- Reiseapotheke ergänzen - Paracetamol
und Repellentien
- Mückenabschreckende
Kerzen, Spiralen etc.
- Moskitonetz
Bitte beachten Sie die Sicherheitsvorschriften
zur Mitnahme von Flüssigkeiten etc. im
Reisegepäck.
Insektensprays finden Sie
in Kap Verde in jedem Gemischtwarenladen.
| Falls
Sie im Anschluss an eine Reise
in Dengue-gebiete hochfieberhaft
erkranken, müssen Sie SOFORT einen
Arzt aufsuchen und diesem DEUTLICH
MITTEILEN,
daß Sie sich in den Tropen / Subtropen
aufgehalten haben! |
Alle Angaben nach bestem Wissen
und Gewissen, doch ohne Gewähr.
Für individuelle Empfehlungen kontaktieren Sie Ihren Arzt!
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das umfassende
Reisehandbuch
Cabo Verde
von Insidern spannend geschrieben
Pitt Reitmaier, Lucete Fortes
Reise-Know-How Verlag
ISBN 978-3-8317-1771-2
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