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Lucete Fortes

COVID-19 Epidemie in Cabo Verde

Cabo Verde map Covid-19
Karte: © Reitmaier / Fortes www.bela-vista.net

Expresso das Ilhas 22.06.2020 CV-Fkag

COVID-19: Die das Virus besiegt haben - persönlicher Bericht von Genesenen.

Covid-19, hinterlässt Spuren, die jahrelang anhalten dürften. Frustrationen während der Isolation und Vorurteile, denen sie nach ihrer Entlassung ausgesetzt sind. Die genesenen Ailton Tavares, Ariana Semedo und Rodney Fernandes berichten von ihren Erfahrungen.
Ailton Tavares ist 34 Jahre alt, auf der Insel Maio geboren, und lebt seit sieben Jahren auf der Insel Boa Vista, wo er als Koch im Hotel Karamboa arbeitet, in dem der erste Fall in Cabo Verde aufgetrten war.
"Meine Frau und ich gingen am 19. März in die Isolation. Unsere Kinder blieben zu Hause. Wir verließen die Isolation am 12. April, nachdem wir Tests gemacht hatten. Aber am 15. wurde ich von den Behörden abgeholt, weil mein Test positiv war und zurück in Isolation musste.
Zuvor, als wir nach Hause zurückkehrten, vermissten wir unsere Kinder so sehr, dass wir nicht widerstehen konnten sie bei unserer Schwägerin abzuholen, obwohl wir die Ergebnisse der Tests nicht kannten.
Und war bewusst, dass wir uns fernhalten sollten. Wenn wir in ihrer Nähe waren, trugen wir Masken. Eines Sonntags schickte mir ein Kollege die Nachricht, dass zwei weitere positive Fälle im Hotel Karamboa bestätigt worden seien. Einer von ihnen war mein Kollege aus der Küche. Ich habe keinen Kommentar zu meiner Frau abgegeben, weil sie zu diesem Zeitpunkt schlief und ich sie nicht wecken wollte".
Ailton sagt, er sei durch die Nachricht, die er gerade erhalten habe, "beunruhigt" gewesen, und dass er gleich am Morgen seiner Frau sagen und darum bitten müsse, dass die Kinder - das kleinste ist knapp drei und der älteste, von einem anderen biologischen Vater, ist 10 - zurück zum Haus seiner Schwägerin geschickt werden. Die beiden Erwachsenen wohnten, im selben Haus, aber getrennt. Jeder von ihnen schlief in einem separaten Zimmer.
"Ich ging in die Isolation, aber ich war sehr traurig, weil meine Frau allein sein würde und die Kinder nicht zu Hausen waren. Sie war psychisch am Boden, nach 25 Tage der Trennung von ihren. Es war nicht einfach. Es war ein Moment des Lernens in meinem Leben.
Die Behörden teilten mit, dass sie kein Testergebnis meiner Partnerin hatten, obwohl die Proben am gleichen Tag genommen wurden." Ailton nimmt an, dass er negativ war, da seine Frau nicht isoliert wurde.

Ohne Symptome in Isolation

Ailton Tavares weist darauf hin, dass er schon Grippe erlebt habe, die ihn tagelang ins Bett zwang. Aber mit COVID-19 fühlte er "absolut nichts Besonderes. Ich glaube nicht, dass ich irgendwelche Komplikationen hatte, weil ich jung bin".
"Die Isolation hat mich zum Nachdenken gebracht. Es gibt Dinge, die passieren, die uns eine andere Sichtweise bringen. Es ist eine Zeit, in der man innehält und über alles nachdenkt, was man hätte tun können, doch durch ein Virus daran gehindert wurde. Ich habe mein Zuhause vermisst", berichtet er, der 44 Tage seiner Tochter nicht in seiner Nähe haben konnte.
Sicherlich war der schwierigste Moment ... die Rückkehr in die Isolation nachdem wir das Hotel Karamboa bereits verlassen hatten.
Wir mussten uns "strikt von allem fernhalten".
"Es wurde an die Tür geklopft, wir öffneten sie, wir fanden das Essen, aber wir sahen keine Spur von der Person, die das Essen gebracht hatte. Alles aus Angst... Angst vor jeder Annäherung. Keiner von uns verließ seinen Raum, wir sprachen aus der Ferne miteinander, da die Türen in einem gemeinsamen Korridor lagen"
Mit der Zeit öffneten sie sich und sahen nicht ein, weshalb sie nicht miteinander reden sollten, die sie alle infiziert waren. Der einzige Kontakt, den sie vermieden, war mit Nicht-Infizierten.

Die Angst

Ailton berichtet von Momenten der Angst in der Zeit der Isolation, solange die Ergebnisse der Test nicht zeigten, ob er bereits frei von der Krankheit war oder nicht.
"Sie nahmen eine erste Probe und Tage später eine zweite. Nur das Ergebnis der ersten Probe kannte ich noch nicht, also dachte ich ständig darüber nach, was alles passieren könne. Als dann einige Ergebnisse von Personen kamen, die sich im gleichen Isolationsgebäude wie ich befanden, sagten sie, dass drei Personen noch immer positiv seien. Da wurde ich fast verrückt".
Tage später, an einem Freitag, erinnert er sich, dass eine Gruppe nach Hause ging. Etwas, das ihn und die anderen "sehr glücklich" machte, weil es ihnen Hoffnung gab auch auf dem Weg nach Hause zu sein.
"Dann war es beunruhigend, weil sie nicht sagten, ob es Ergebnisse gab oder nicht. Die Zeit voller Beklemmung wollte nicht vorübergehen. Ich ging im Raum auf und ab. Jemand rief mein Handy an, ich ging ran aber die Verbindung brach ab. Ich rief die Nummer zurück und es funktionierte nicht. Die Nummer rief erneut an, ich nahm ab, aber die Verbindung war so leise, dass das einzige, was ich verstanden habe, war, als die Ärztin sagte, mein Test sei negativ. Auch wenn ich nicht vor hatte, zu weinen, liefen mir Tränen übers Gesicht, weil ich wusste, ich werde nach Hause gehen.

Die Heimkehr

Für Ailton war die Heimkehr wie ein "völliger Neuanfang". Er hat begonnen, sich in seiner eigenen Wohnung fremd zu fühlen.
"Ich sagte mir in der Isolation, dass ich, wenn ich nach Hause komme, alles und jedes tun würde. Aber als ich nach Hause kam, war es, als ob ich den Raum der Isolation vermisste, weil ich bereits eine Routine geschaffen hatte. Dort war es so still, dass man zu sich selbt kam, aber zurück in der Gesellschaft, mit Lärm von allen Seiten, begann ich mich seltsam unwohl zu fühlen."
Vorurteilen war er nicht begegnet, weil er im Haus blieb. "Ich habe keinen Fuß auf die Straße gesetzt, ich habe alle empfohlenen Maßnahmen ergriffen, um nicht als derjenige gesehen zu werden, der das Virus in die Gemeinde zurückgebracht hat".
"Wir dürfen Menschen nicht ausgrenzen. Wir sollten niemals diskriminieren, denn jeder kann in diese Situation kommen, und diejenigen, die infiziert wurden, wollen nicht, dass sich Menschen so verhalten. Jeder kann diese Krankheit bekommen. Es gibt nichts Besseres, als Trost zu finden", fährt er fort.
Ailton erinnert sich, wie er sich diskriminiert fühlte an dem Tag, als die Behörden ihn zu Hause abholten. "Es war das Schlimmste, und ich wünsche es niemandem. Und es lag eher an dem installierten Kontrollapparat. Alle gafften und zeigten mit den Fingern auf uns", schließt er.

"Meinen Facebook-Account musste ich schließen"

Ariana Semedo, 24, aus dem Stadtteil Vila Nova in Praia erzählt uns, dass sie ihr altes Facebook-Konto löschen musste, weil sie mit den vielen beleidigenden Nachrichten von Menschen nicht umgehen konnte, mit denen sie vor der Diagnose von COVID-19 Kontakt hatte.
"Sie schrieben, ich hätte bereits gewußt, dass ich COVID-19 hatte, und trotzdem in ihrer Nähe geblieben sei. Ich versichterte, dass ich es nicht gewußt habe, denn hätte ich es gewußt, hätte ich alle gewarnt und niemanden in Gefahr gebracht, vor allem nicht meine Familie. Deshalb habe ich einen neuen Account eingerichtet und nur Familienmitglieder aufgenommen".
Sie berichtet auch, dass sie, während sie auf das Ergebnis der letzten Untersuchung wartete, bevor sie nach 21 Tagen aus der Isolation entlassen wurde, erfuhr, dass eine Nachbarin in Vila Nova, die ebenfalls mit dem Virus infiziert war, in der Nachbarschaft erzählte, dass sie sich das neue Coronavirus zugezogen habe auf einer Party, auf der auch Ariana war.
"Obwohl ich keinen Kontakt zu ihr hatte, fiel die Schuld auf mich".

Die Symptome

Ariana Semedo beschreibt, dass sie die ersten Symptome am 20. Mai zu spüren begann. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie starke Kopf- und Augenschmerzen. Sie berichtet, dass sie sich zunächst nicht mit dem Gesundheitsministerium in Verbindung gesetzt habe, weil sie nicht glaubte, dass sie COVID-19 habe. In der Zwischenzeit, am 22., machte sie den Test, nachdem er sich mit dem Gesundheitsministerium in Verbindung gesetzt hatte.
"Sie riefen mich am 24. an, um mir mitzuteilen, dass mein Test positiv war. Am selben Tag wurde ich in die Schule für Gastgewerbe und Tourismus (EHTCV) gebracht".
Von der Familie wurde nur Ariana positiv getestet, und wie sie meint, liegt das daran, dass sie im Oberstock und ihre Mutter unten wohnt.
Obwohl sie noch jung ist, leidet Ariana nach eigenen Angaben an Asthma und Nasennebenhöhlenentzündungen, und als sie klein war, litt sie an einer Lungenentzündung. Daher fühlte sie sich in der Isolation sehr müde, litt unter Luftmangel und musste ins Krankenhaus Agostinho Neto (HAN) verlegt werden, um Sauerstoff zu erhalten.
"Ich hatte starke Schmerzen im Brustkorb und Atemnot. Selbst zum Reden war ich zu müde, zu müde zum Gehen, ich hatte das Gefühl, dass ich nichts tun könne. Also schickten sie mich ins Krankenhaus, sie sagten, dass sie in der Isolationsunterkunft EHTCV nicht mehr für mich tun könnten", erinnert sie sich.
"Die Ärzte rührten mich nicht an und sie kamen nicht einmal in meine Nähe, auch nicht, um unter ihrer Schutzausrüstung mit mir zu sprechen. Ich war in meinem Privatzimmer, sie kamen nicht in meine Nähe, um mit mir zu sprechen, auch die Krankenschwestern nicht. An dem Tag, als ich im Morgengrauen ins Krankenhaus kam, kümmerte sich ein kubanischer Arzt um eine Frau, die am Beatmungsgerät hing, sprach mich an, fragte, wie es mir ginge, und ich sagte, dass ich starke Schmerzen in der Brust hätte und dass es nicht aufhören würde. Dann empfahl er etwa 9 Medikamente, ohne die Art der Medikation zu spezifizieren", bedauert sie.
Bei Ariana Semedo wurde eine Lungenentzündung und Bronchitis diagnostiziert und sie musste zwei Tage im Zentralkrankenhaus bleiben, was "gar nicht so einfach war".

Die Gefühle

Die junge Frau beginnt zu weinen als sie berichtet, dass sie jeden Tag ihr Zuhause vermisst hat. In diesem Moment, so reflektiert sie, habe es ihr Glaube nicht zugelassen, sich erschüttern zu lassen und sie selbst habe sich davon überzeugt, dass es nur eine weitere Phase sei. "Ich habe gegen alles gekämpft, was ich fühlte".
Als sie nach Hause zurückkehrte, konnte sie es trotz der Anweisung, für weitere 14 Tage social distancing einzuhalten, nicht ertragen und umarmte ihren Sohn.
"Ich wickelte mich in ein Laken, um ihn zu umarmen. Aber ich habe niemanden anderen umarmt", erzählt sie.
"Dieses Virus kam zu allen und hat uns eine Menge gelehrt. Eine Lehre ist, dass "Nein" "Nein" bedeutet und dass wir einen Befehl ausführen müssen. Ich habe nicht an dieses Virus geglaubt, auch nicht, dass es in Cabo Verde existiert. Eine andere Sache ist, dass niemand jemanden diskriminieren sollte, der das Virus jemals hatte. Ich werde immer jeden unterstützen, der sich mit diesem Virus infiziert, weil ich weiß, was ich durchgemacht habe. Deshalb bin ich allen Krankenschwestern, die bei mir waren, ewig dankbar".

Genesene gründen eine Unterstützergruppe bei Facebook

Rodney Fernandes wurde durch Videos bekannt, die er während und nach der Isolation auf Facebook veröffentlichte. Wie er Expresso das Ilhas berichtet, war die Reichweite der Videos groß, so dass Menschen, die anonym bleiben wollten, ihm Botschaften mit Anschuldigungen schickten und um Hilfe baten, was manchmal " ermüdend " ist.
Er gründete die Gruppe "COVID-19 em Cabo Verde", die sich aus Genesenen, weiter aktiv Infizierten, sozialen Aktivisten, Journalisten, Krankenschwestern und Psychologen zusammensetzt.
"Am Anfang bestand die Gruppe nur aus Patienten, die von COVID-19 genesen sind, und aus denjenigen, die noch aktiv infiziert sind, Journalisten und Krankenschwestern. Dann fügte ich andere Gesundheitsfachleute und einige soziale Aktivisten hinzu", sagt er.
Heute hat die Gruppe etwa 60 Mitglieder aus Boa Vista, Praia und Kapverdianer, die sich in Portugal und den USA mit dem Virus infiziert haben.
Die Gruppe diskutiert Themen wie Diskriminierung seitens der Genesenen und ihrer Familien, die Auswirkungen der Pandemie auf Kinder, aber auch die Solidarität zwischen den Mitgliedern.
Text ursprünglich veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe von Expresso das Ilhas Nr. 968 vom 17. Juni 2020.

Quelle: Expresso das Ilhas online 22.06.2020

[Inoffizielle Übersetzung: Dr. Pitt Reitmaier]

Alle Angaben nach bestem Wissen und Gewissen, doch ohne Gewähr.
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updated: 22.06.20
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