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Lucete Fortes

COVID-19 Epidemie in Cabo Verde

Cabo Verde map Covid-19
Karte: © Reitmaier / Fortes www.bela-vista.net

Fernando Mariana - Brasilien 08.04.2020 Originaltext in Portugiesisch

Covid-19: [Zur routinemäßigen Verschreibung von] HYDROXICLOROQUIN, AZITROMYCIN bei COVID-19 

Anmerkung: Der Kardiologe Fernando Mariana (Brasilien) teilt seine kritische Einschätzung mit zum laienhaften oder "off the record" Gebrauch von Hydroxichloroquin und Azitromycin, wie er u.a. von populistischen Politikern wie D. Trump empfohlen wird. Wegen der Klarheit der Argumente und der Sprache, habe ich ihn übersetzt.

Angesichts der Politisierung der Wissenschaft und der Verzweiflung vieler entschied ich mich zu schreiben, warum es nicht so einfach ist, mitten in der Krise von COVID-19 allen Menschen Hydroxychloroquin und Azithromycin zu geben.
Wir alle wissen, dass wir eine von diesem Virus verursachte Pandemie erleben, die Tausende von Menschen auf der ganzen Welt tötet und Chaos in den Gesundheitssystemen verursacht. Alle sind hinter der Silberkugel* her, doch wir müssen die Wissenschaft und unseren Verstand einsetzen, um diesen Kampf zu gewinnen.
Lasst es uns angehen:
Zunächst einmal sind die bisherigen Studien zu Hydroxychloroquin und Azithromycin bei COVID-19 alles andere als überzeugend, und sie weisen kritische methodische Mängel auf. Mit diesem Argument allein wäre die Diskussion schon abgeschlossen.
Aber lassen Sie uns zu den anderen gehen.
Beide Medikamente können ein Phänomen im elektrischen System des Herzens verursachen, das als Verlängerung des QT-Intervalls bezeichnet wird und in dessen Folge zu einer Herzrhythmusstörung namens Torsade de Pointes führen kann, was in der Praxis gleichbedeutend mit einem Herzstillstand, d.h. einem plötzlichen Herztod, ist. Die Einzel-Anwendung dieser Medikamente verursacht dies selten, aber die Kombination der beiden erhöht das Risiko erheblich, so sehr, dass es bereits zahlreiche Fälle auf der ganzen Welt gibt.
Bei jeder Behandlung, die wir in der Medizin durchführen, werden die Wirksamkeit der Behandlung und ihre Sicherheit abgewogen. Diese Kombination Hydroxychloroquin+Azithromycin hat eine fragwürdige Wirksamkeit bei der Verhinderung der Entwicklung der COVID-19-Krankheit (die Studien sind wenig ermutigend), und es gibt keine sehr gute Sicherheit, weil, obwohl selten, einige Menschen bei dieser Behandlung zu Hause sterben können..
Wenden wir uns nun einem weiteren wichtigen Punkt zu.
Es gibt Leute, die vorschlagen, die Behandlung gleich zu Beginn der Krankheit zu geben, also genau dann, wenn die Symptome beginnen, bevor es etwas Ernstes wird. Das macht durchaus Sinn, aber es entstehen neue Probleme.
Erstens hat nicht jeder Patient, der mit Atemwegssymptomen beginnt, COVID-19, viele werden eine einfache Erkältung oder eine traditionelle Grippe oder eine andere Krankheit haben. Wenn Sie die Behandlung also allen Menschen geben, setzen Sie viele Menschen nur dem Risiko aus, an Herzrhythmusstörungen zu sterben, ohne dafür einen Nutzen zu haben (weil es nicht COVID-19 ist).
Die Lösung wäre also, nur bei solchen Symptomen zu verschreiben, die wirklich COVID-19 sind. Dafür müssten wir den PCR-Test durchführen, um die Krankheit zu bestätigen, aber die Tests fehlen, und bei denjenigen, bei denen der Test durchgeführt wird, ist das Ergebnis [in Brasilien] erst nach 5-7 Tagen bekannt. Aber wir werden denken, dass sie das Problem des Tests lösen werden, und wir werden in der Lage sein, das Gleiche in Südkorea zu tun, wo das Testergebnis in wenigen Stunden vorliegt (natürlich ist dies mit enormen Kosten verbunden). Dann hätten wir das Problem gelöst, keine Behandlung zu geben, die für Menschen ohne COVID-19 nicht 100%ig sicher ist. Aber selbst dann werden 85-95% der Patienten mit COVID-19 keine schwere Erkrankung entwickeln, so dass sie ein Medikament einnehmen würden, das jederzeit einen Herzstillstand verursachen könnte, ohne im Gegenzug einen Nutzen zu haben.
Hydroxichloroquin
Aber dann denken wir, nun denn, dass sich das Risiko lohnt, weil wir die Chance der anderen 5-15 % verringern, eine schwere Verlaufsform zu entwickeln. Hier kommt das Problem der Wirksamkeit der Behandlung ins Spiel. Die Wirksamkeit ist nicht 100%, wenn man sie überhaupt in Betracht ziehen darf, denn die Wirksamkeit ist sehr begrenzt, vielleicht hätten nur 10% der Patienten ein besseres Ergebnis mit Hydroxychloroquin / Azithromycin im Vergleich zur Nicht-medikation, d.h. 1% der gesamten Behandlungen von im PCR--Test auf COVID-19 positiv getesteten Patienten, sonst wäre dieser Prozentsatz noch viel niedriger). Dann würden Sie am Ende das Risiko eingehen, Millionen von Menschen zu behandeln (was mit hohen Kosten verbunden ist), wobei nur 1% oder weniger dieser Personen davon profitieren würden, und Sie würden das Risiko eingehen, dass einige von ihnen einen plötzlichen Herztod sterben.
Deshalb befürwortet die wissenschaftliche Gemeinschaft diese Strategie nicht. Es gibt nur einen Weg, um herauszufinden, ob sich die Risiken einer Behandlung lohnen würden, indem man eine große Studie mit Hunderten oder Tausenden von Menschen durchführt, die Art der Behandlung vergleicht.** Eine solche Studie existiert noch nicht, wird aber ... durchgeführt. Seit einigen Wochen wird jedoch an vielen Orten auf der Welt Hydroxychloroquin / Azithromycin routinemäßig bei COVID-19 Patienten eingesetzt, und leider konnte kein Rückgang der Todesraten beobachtet werden. Mit anderen Worten, alles deutet darauf hin, dass, wenn Hydroxychloroquin überhaupt wirkt, seine Wirksamkeit wahrscheinlich geringer ist erwartet.
Vielleicht werden wir bald mehr Ergebnisse aus Studien haben, die diese Frage besser klären, und wir würden nicht Gefahr laufen, einen großen Fehler zu machen (selbst mit den besten Absichten).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Problem nicht so einfach ist, sonst wäre es bereits weltweit gelöst. Wir müssen realistisch sein und dürfen uns nicht in falschen Hoffnungen verstricken, denn wir glauben, dass dies die perfekte Behandlung sei, wird niemand sonst andere Arten der Behandlung studieren, die möglicherweise viel wirksamer und sicherer sind.
In dem Eifer, Gutes zu tun, können wir oft größeren Schaden anrichten. Dies ist bei Hunderten von Behandlungen im Laufe der Geschichte geschehen. Die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien sind wichtig, damit wir eines der grundlegendsten Prinzipien der Medizin nicht verletzen. "Primum non nocere" (erstens nicht schaden).
Fernando Bernardi
CRM-SC 20.837
Especialista em Clínica Médica pela Escola Paulista de Medicina da UNIFESP
Especialista em Cardiologia Clínica pelo INCOR da USP de São Paulo
Especialista em Cardiologia Intervencionista pelo INCOR da USP de São Paulo
Fazendo Doutorado/PhD em Cardiologia na USP de São Paulo
* Anspielung auf 'golden' oder 'magic bullet' im US-amerikanischen Englisch als perfekte technische Lösung
** Mariana verweist hier auf des Prinzip klinischer Studien.
Quelle: Fernando Mariana https://web.facebook.com/mari.fer.bernardi 08 04 2020
[Inoffizielle Übersetzung: Dr. Pitt Reitmaier]
Alle Angaben nach bestem Wissen und Gewissen, doch ohne Gewähr.
Für individuelle Empfehlungen kontaktieren Sie Ihren Arzt!

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updated: 14.04.20
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