Weg 101

Águia - Informação Turística
Avenida Amilcar Cabral - Ponta João Ribeiro


Ponta João Ribeiro und Ilheu dos Pássaros

Gehzeit 1.5 h
Weg 1
Orientierung 1
Typ aa

Übersicht der Wege
und  Klassifizierung


Mercado de Peixe

Torre de Belém

Águia

Estaleiros Navais

Ponta João Ribeiro

Aus dem Spaziergang entlang der Bucht des Porto Grande wird leicht ein Halbtagsprogramm, wenn man genauer hinschaut, was sich unterwegs anbietet.
 

Ausgangspunkt ist der Fischmarkt am südlichen Ende der Uferstraße.

Die große Uferstraße hört auf zwei Namen: 
Seit Mindelo im Jahre 1858 zur Stadt wurde  heißt sie Avenida Marginal und mit der Unabhängigkeit kam ihr die Ehre zu, sich auch nach dem Nationalhelden Avenida Amilcar Cabral nennen zu dürfen. Politisch betrachtet mischt sie also ganz vorne mit im Chor der Straßen, weit entfernt von der plebeischen Masse namenloser Gassen.

Die Aristokratin unter den Straßen nimmt ihren Anfang am Fischmarkt Mercado de Peixe mit seinem bunten und meist lautstarken Treiben. 

Der Turm daneben ist ein verkleinertes Abbild der Torre de Belém, der an der Mündung des Tejo in Lissabon wacht und die Entdecker verabschiedete. Das Bronzestandbild daneben ist jüngeren Datums und verweist ebenfalls an die großen Zeiten Portugals auf den Weltmeeren.

Entlang der alten Handelshäuser erreicht man das Standbild des Adlers Águia. Es erinnert an den ersten Flug über den Südatlantik im Jahre 1922. Die Piloten Gago Coutinho und Sacadura Cabral machten auf ihrem Weg von Lissabon (17 03 1922) nach Rio de Janeiro (17 07 1922) auch in São Vicente Station. 

Gegenüber steht das massive ebenerdige Gebäude des ehemaligen Zolls Alfândega Velha, in dem heute das Kulturzentrum der Stadt untergebracht ist mit Ausstellungen, einem gut sortierten Bücherladen und Internet-Café.

Die Touristen-Information folgt wenige Meter später in einem winzigen blau-weißen Kiosk auf der zunehmend besser gepflegten Praça Gonçalv Gonês. Hier können Sie sich mit Karten von Kap Verde und ein paar Postkärtchen eindecken und fragen, was sie schon immer über Kap Verde wissen wollten.

Etwas oberhalb des nächsten kleinen Parks, an der Einmündung der Rua Angola in unmittelbarer Nähe des Residencial Maravilha liegt ein heruntergekommenes aber hübsches flaches Gebäude. John Miller, der mit dem Kohlehandel für die Dampfschifffahrt Mindelo zur Stadt und sich selbst zu einem reichen Mann machte, hat es in den frühen 1870er Jahren als Englisches Konsulat bauen lassen, so daß es eines der ältesten Gebäude der Stadt ist.  Im leider weitgehend heruntergekommenen Bau stellen heute Jugendliche kunsthandwerkliche Gegenstände her und verkaufen sie.

Der Fährhafen hat vor wenigen Jahren ein Abfertigungsgebäude bekommen, das in seiner Architektur wie ein Schiff gebaut ist. Das Pendent dazu steht in Porto Novo

Am Eingang zum Hafen steht eine Reihe kleiner barackenartiger Gebäude. Hier arbeiten die Despachantes, Agenturen, die beim Entzollen helfen - und dank der nicht ganz einfachen Vorschriften alle Hände voll zu tun haben. Wie die meisten Inselstaaten schöpft der Staat seine Steuern ganz wesentlich aus Importsteuern.

In der Moave, der industriellen Mühle mit ihren großen zylindrischen Vorratsbehältern, wird Getreide gemahlen. Etwa 90% des Bedarfs muß importiert werden. Für die Besitzern von Eseln und Maultieren ist die Spreu nicht weniger wichtig als das Korn, denn die Tiere verlieren ihre Leistungsfähigkeit, wenn sie nicht genügend Faserstoffe zu sich nehmen.

Hinter der Moave liegt der große neue Containerhafen, erbaut in den 1990ern.

Über allem thront majestätisch obwohl weitgehend in Ruinen das Fortim', das "kleine Fort". Erbaut noch bevor Mindelo als Stadt gegründet war, sollte es den Piraten den Aufenthalt in der Hafenbucht zu verleiden, von wo aus sie ansonsten ungehindert Überfälle auf Schiffe, Städte und Dörfer unternahmen. In späteren Zeiten wurde es zum Gefängnis. 
Heute, fast in Ruinen, findet es zur ursprünglichen Zielgruppe zurück, wenn auch nicht abschreckend sondern anziehend. Hier schlafen die Piratinhas, Straßenkinder, Sozialwaisen, Taschendiebe, Jugendliche mit diversen Problemen und der eine oder andere psychiatrische Patient. 
Der Blick von dort oben auf die Stadt ist besonders schön und gehört zum touristischen Standardprogramm. Dem Stadtplan läßt sich entnehmen, wo der Weg hinauf an der Avenida Alberto Leite beginnt - an einer Kreuzung zwischen der Escola Técnica und der Polizei

Vermeiden Sie bitte, das Fortim alleine oder spätabends zu besuchen.

Auf Laginha, dem innerstädtischen Badestrand ist immer Betrieb. Frühmorgens kommen die Jogger und Body Builder, etwas später Mütter mit Babies, nach der Schule die Jugendlichen und am Abend die Mittel- Oberschicht auf der Suche nach einem kalten Bier und einem Hühnerbein. Das Wasser ist trotz der Nähe der Schiffswerft dank der beständigen Strömung sehr sauber. 
Dank des Haifischnetzes ist der Strand sicher für Erwachsene. Zum Kinder unbeaufsichtigt planschen lassen eignet er sich nicht, denn eim Eingangsbereich haben die Wellen eine Art Stufe gegraben, durch die es unerwartet plötzlich tief wird.

In den großen Gebäuden auf der anderen Straßenseite wird heute keine Nahrungsmittelhilfe mehr gestapelt - auch hier gibt es inzwischen delivery just in time. Sie dienen als Messehallen und Industrieausstellungen sollen den Ruf Kap Verdes als Markt und Herstellernation verbessern.

Sehr beliebt am Abend sind die kleinen Gartenrestaurants, Gabylandia und die anderen.

Weithin hörbar sind die schweren Dieselmotoren und Gebläse der Seewasser - Entsalzungsanlage, kombiniert mit dem Kraftwerk der ELECTRA am Ende der Geraden. In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich die Zuverlässigkeit stark verbessert. Stromausfälle sind selten und Wochen ohne Wasser kommen nicht mehr vor. Nur das Leben wird teuer, wenn jeder Tropfen Wasser und jede Kilowattstunde mit Diesel produziert werden muss. Man hofft auf erneuerbare Energien, doch die bisher verfügbare Technologie ist den harten Umfeldbedingungen des Landes, der Kombination von feinstem Staub, salzschwangerer Luft, Hitze und extrem starken Winden noch nicht genügend angepaßt.

An der Umfassungsmauer der ELECTRA entlang gilt es den Orientierungssinn zu spitzen, denn hier kommt die einzige Gelegenheit, sich auf diesem Spaziergang zu verlaufen. Weder darf man im rechten Winkel auf die breite Straße nach Chã de Alecrim einmünden, noch die Kurve in der Ebene zu Ende gehen. Genau nach Norden zieht eine kleinere Straße den Hang hinauf, wird zur Linkskurve und gelangt so auf den Bergrücken zwischen ELECTRA und der Werft CABNAVE.

Sie endet in einer Spinne von Häuserzufahrten. Keine davon ist richtig, sondern der Weg führt am Hang oberhalb der Werft nach Norden.

Das flache, auf Stelzen stehende Gebäude ist die Wohnung der deutschen Konsulin.

Das große würfelförmige Gebäude mit dem großen Walmdach war einst die Residenz des Britischen Konsuls. Seit der Unabhängigkeit ist es weithin bekannt als Sitz des Atelier Mar, einer sehr erfolgreichen Künstlerkooperative um das Vielfachtalent Leão Lopes - Maler, Töpfer, Schriftsteller, Filmregisseur, alternativer Bauherr, Journalist, Kulturminister - gibt es einen Kunst, in der er sich noch nicht versucht hat? Mitunter ist ein Besuch mit Einkauf möglich.

Beim Weg am Hang entlang fällt der Blick auf die in den 1980ern gebaute Werft CABNAVE. Hier werden vorwiegend die einheimischen Schiffe gewartet und repariert. Die Träume einer Exportproduktion mit "billigen" Arbeitskräften waren rasch beendet, nachdem die Kostenstruktur  auf dem Tisch lag. Jeder Liter Wasser, jede Kilowattstunde ..... ist das Ende so manchen Traumes von einer Industrieproduktion in Kap Verde.

Da der Weg nun langsam ansteigt, weitet sich der Blick über der Bucht des Porto Grande, vom Felsen des Morro Branco auf der gegenüberliegenden Seite, auch heute noch militärisches Gebiet, über den zurückgelegten Verlauf der Avenida Amilcar Cabral. Vorbei an einigen verfallenen portugiesischen Kasernen erreichen wir die Spitze der Halbinsel. 

Mittendrin das Ilheu dos Pássaros, ein Fels in der Brandung der vielfältigen Begehrlichkeiten, die seit langer Zeit auf Kap Verde einströmen. Den portugiesischen Soldaten und "Entdeckern" des 15. Jahrhunderts und den katalanischen Schiffen auf der Suche nach Färberflechten folgten im 16. Jahrhundert die Piraten gefolgt. Im 19. Jahrhundert schaute das Ilheu auf bis zu 1000 Dampfschiffen. Die gesamte Flotte europäischer Kolonialstaaten bunkerte englische Kohle und kapverdisches Wasser. Die englischen Kohlehändler waren die wirlichen Herren dieser kleinen Welt. Und als die Kohle dem Öl weichen mußte, zogen englische Telegraphengesellschaften mehrere Transatlantikkabel am Ilheu vorbei und Mindelo entging der schlimmsten aller Krisen. Ein deutscher Kaiser, der die Kapverdischen Inseln besetzen wollte hat es glücklicherweise nicht geschafft. Das war Wilhelm II im Ersten Weltkrieg.

Die Kanonen an der Ponta João Ribeiro wurden nie ernsthaft benutzt. Portugal war seit dem Ende der Besetzung durch Napoleons Truppen wirtschaftlich abhängig von England. So blieb es im Zweiten Weltkrieg trotz aller Sympathie der Salazar-Diktatur mit den Achsenmächten um  Hitler und Mussolini lieber neutral. So gelang es zumindest als kleines Land von keinem besetzt zu werden.

Als sich die geo-strategischen Interessen des Kalten Krieges nach 1945 auf das nördliche Polarmeer verlagerte, rutsche Kap Verde und der Zentralatlantik ganz schnell an den Rand des Zeitgeschehens. So konnte die junge Regierung des unabhängigen Cabo Verde sich erfolgreich wehren gegen jedes Ansinnen, ein RADAR System auf die Gipfel zu montieren.

So dürfen, im Zeitalter der Satelliten, die Kanonen der Ponta de João Ribeiro weiter rosten und man überlegt ernsthaft, den Platz zu dem zu machen, was ihm am besten anstünde, einem Ausflugslokal am Ende des Spaziergangs.

ESS PAIS

Bem conché Esse Mindelo pequinino
Bem conchê Sabura di nôs terra
Bem conchê Ess paraiso di cretcheu
Qui nôs poeta cantá coï amôr
Na sês verso imortal criôl
Quem ca conchê Mindelo
Ca conché Cabo-Verde
Bem disfrutá morabéza
Dêss povo franco sem igual
Li nó ca tem riqueza
Nô ca tem ôro nô ca tem diamante
Ma nó tem ess paz di Deus
Qui na mundo ca tem
E êss clima sabe qui Deus dône
Bem conchê êss pais

DIESES LAND

Komm, das kleine Mindelo kennenzulernen
Komm unser Land zu genießen
Komm ins Paradies der Verliebten
Von dem unsere Dichter voller Liebe singen
In unsterblichen kreolischen Versen.
Wer Mindelo nicht kennt,
Kennt Kap Verde nicht.
Genieße die Gastfreundschaft
dieses unvergleichlich offenen Volks.
Wir haben hier keine Reichtümer.
Wir haben kein Gold und keine Diamenten.
Aber wir haben den Frieden Gottes,
Den es sonst auf der Welt nicht gibt
Komm, dieses Land kennenzulernen.

Anhören bei Caboverde.com

 

 
  updated  26.09.2005